Es geht los! Immer in Richtung Athen… mit dem Zug. Denn ja, die Idee gibts immer noch 😉
Ziemlich schnell steht fest, Wien wird einer der allerersten Stationen sein, aber direkt von Ravensburg nach Wien? Ein bisschen weit. Ravensburg übrigens, weil hier der dem elterlichen Zuhause nächst gelegene Bahnhof ist. Also auf zum Ravensburger Bahnhof und her mit der Inspiration – vom Aushangsfahrplan 🙂 Im Wesentlichen fahren die Züge hier als Regionalzug nach Stuttgart oder Lindau, aber zweimal am Tag macht auch ein ICE hier kurz Halt: einmal auf der Fahrt Richtung Dortmund und einmal Richtung Innsbruck … na da habe ich ja meine erste Etappe! Ich fahre also nach Innsbruck, so einfach ist das 😉
Das Ticket ist unschlagbar günstig, 19 Euro im ICE und in vier Stunden in Innsbruck… was will der Mensch mehr? Kurz denke ich auch über ein Interrailticket nach, aber für die vielen Reisetage bis Athen und mein hohes Alter 😉 hätte das über 500 Euro gekostet und da beschliesse ich, dass es eigentlich mit Einzelfahrkarten auch nicht teurer sein kann … ob das stimmt, werde ich wohl Mitte Dezember wissen.
Start ist am 08. November um 15.05 Uhr … oder wäre es gewesen, wenn nicht die liebe Deutsche Bahn den ICE gestrichen hätte, wovon ich leider nichts mitbekommen habe … Halb drei, wir sind gerade am Ravensburger Bahnhof angekommen, bemerke ich das Problem – ja, es gibt lustigere Sachen, als wenn 30 Minuten vor Abfahrt, quasi nach Athen, die App sagt, der Zug fällt leider aus … Aber ich habe Glück im Unglück: Erstens schickt die österreichische Bahn zum letzten deutschen Bahnhof Lindau einen Ersatzzug, der von dort dann nach Innsbruck startet; zweitens ist Lindau „nur“ 40 Autominuten von Ravensburg entfernt und drittens (und dieser Punkt ist äußert wichtig), ist meine Mutter, die mich schon nach Ravensburg kutschiert hat, so lieb und nimmt die für sie ja dann sogar anderthalb Stunden zusätzliche Autofahrt auf sich und bringt mich noch bis quasi an die deutsche Grenze … DANKESCHÖN!
Und so geht es dann ein paar Minuten vor vier wirklich los, im Bahnhof Lindau-Reutin, mit einem Zug, der, nun ja, einem ICE nicht mehr ganz so ähnlich sieht 😉 es fällt das Wort Museumszug …
Solange es noch Tageslicht gibt, ist man dank der wunderschönen Landschaft auch noch gut abgelenkt von den wirklich ziemlich unbequemen Sitzen… da wär jetzt ein ICE schon fein… von der Toilette, die sich Richtung Gleise öffnet, will ich da noch gar nicht sprechen … ja, das hier ist schon noch ein ganz schön betagtes Schätzchen von Zug… herrlich, das ich das auf dem allerersten Stück meiner Fahrt nach Athen erleben darf 😉


Drei Stunden später bin ich dann endlich, ganz pünktlich sogar, in Innsbruck und mache mich noch auf den Weg Richtung Unterkunft. Eigentlich wollte ich ja nochmal dieses Low-Budget-Reise-Feeling auskosten und ein bisschen spartanisch unterwegs in Hostels übernachten… Haha, ein netter Plan. Und dann kam die Realität 🙂 , tatsächlich stand in einigen Hostelbewertungen in Innsbruck das Wort „Bettwanzen“ , September 2023 und irgendwie, ja irgendwie ist es dann doch wieder ein Airbnb geworden… aber wenn das Hostelbett im Schlafsaal über 50 Euro kostet und eine komplette große eigene Ferienwohnung am Rande Innsbrucks nur 10 Euro mehr pro Nacht, ja da kann man ja gar nicht anders 😉
Meine Ferienwohnung hat einen sagenhaften Ausblick auf den Patscherkofel (ein Berg) und alles, was da so links und rechts daneben liegt an schneebedeckten Bergen – außerdem hat sie ein sagenhaft gemütliches Bett 😉 ich schlafe also erstmal aus und zwar so lange, das ich das richtig tolle Wetter (blauer Himmel und Sonne) jetzt eher nur noch so am Rande mitkriege 🙂 Aber auch als ich Schlafmütze das Haus dann mal verlasse, ist es noch ganz schön und ich beschliesse heute eher ein bisschen wandern zu gehen, die Stadt kann ich auch bei Regenwetter angucken, also morgen.
Ich wandere also los, direkt von der Haustüre aus durch diese schon eher schicke Wohngegend (wo die Kids im Sandkasten Antonia, Konstantin und Jakob heißen 😉 kein Scherz) und komme bald an eine kleine Brücke mit recht tosendem Bach. Das ist die Mühlauer Klamm, verrät mir mein Handy und ich beschließe dem Wanderweg einfach mal zu folgen und lande so wieder mal sehr spontan auf einer richtig schönen Wanderung. Es geht immer schön Richtung oben … im Rucksack habe ich ein bisschen Notproviant, so richtig glaube ich nämlich nicht, dass hier noch Hütten geöffnet haben, ist ja Mitte November. Aber ich habe Innsbruck unterschätzt, hier haben die Hütten wohl durchgehend geöffnet und ich genieße wenig später die für mich bisher beste Kaspressknödelsuppe mit traumhaften Alpenblick.


Gestärkt gehts weiter, immer weiter bergauf auf kleinen idyllischen Waldpfaden bis zur nächsten Hütte mit schönem Blick. Dann muss ich leider wieder kehrtmachen, denn der Sonnenuntergang ist nur noch anderthalb Stunden entfernt und ich will nur ungern im Dunklen durch den Wald stolpern. Es wird auch ganz schön knapp muss ich sagen, mein eigentlicher Weg entpuppt sich irgendwann als gesperrt, bei dem nächsten fehlt entweder eine Brücke oder ich bin zu ängstlich, das Wasser einfach so zu durchqueren … aber gemeinsam mit dem letzten Tageslicht komme ich dann doch wieder in bewohntes Gebiet und mache es mir nur wenig später in meinem Wohnzimmer auf dieser übergroßen und sehr gemütlichen Couch bequem. Ein Hoch auf eine eigene Ferienwohnung 😉
Auch am nächsten Tag sehe ich die Sonne eher nur beim Frühstück – der Vormittag geht aber auch schnell rum, wenn man erst recht spät wach wird (danke an die verdunkelnden Jalousien, die ich sonst nicht gewöhnt bin …) Aber irgendwann bin ich dann doch in der Stadt und bummle ganz gemütlich durch die Gassen und Strässchen, gucke mir den Weihnachtsmarkt an, der sich aber noch im Aufbau befindet und besichtige zum Schluss noch die Hofburg, ein bisschen Kultur muss schließlich sein 🙂 so lerne ich aber zumindest noch Kaiserin Maria Theresia kennen, bisher erstreckte sich mein Wissen der österreichischen Kaiserfamilie ja eher nur auf Sisi und ihr Franzerl 😉



Und dann sind die zwei Tage in Innsbruck schon wieder rum. Was für eine schöne Stadt mit unglaublich beeindruckendem Panorama, denn praktisch hinter jeder Häuserecke guckt eine Bergspitze raus… Wunderschön!
Und jetzt heißt es: Wien, ich komme! 🙂

