Zugfahrt nach Athen, Etappe 5: Budapest – Balaton – Zagreb

Ab Budapest fahren regelmäßig und mehrmals am Tag Züge nach Keszthely, einer kleinen Stadt ganz westlich am Balaton gelegen. Eine anderthalbe Stunde fährt man durch Flachland und dann nochmal etwas mehr als eine Stunde am Balaton entlang.

Auf gehts Richtung Kroatien mit Stop am Balaton

Im Gegensatz zu allen anderen Orten, die ich auf dieser Reise besucht habe oder besuchen werde, war ich tatsächlich schon mal am Balaton – allerdings als Kind und ich erinnere mich eher nur bruchstückhaft… wird also Zeit, die Erinnerung aufzufrischen 😃

Auf die Minute pünktlich kommen wir in Keszthely an und weils noch ein bisschen früh zum Einchecken ist, bummle ich erstmal etwas am See entlang und sitze auf einer Bank. Das Wetter ist traumhaft schön und sonnig, aber schon auch recht kalt.

Im Sommer ist hier wohl die Hölle los, aktuell ist es einfach nur traumhaft still und friedlich

Dann checke ich ein in ein ziemlich verlassenes Gästehaus, recht einfach alles, aber total sauber. Ich glaube aber, ich war der einzige Gast dort, es ist halt grade echt nicht viel los. Auch draußen sieht man die Einheimischen vor ihren Häusern „Herbstputz“ machen, der Rasen wird gefegt, Bäume und Sträucher beschnitten, von anderen Touristen weit und breit keine Spur. Ich werde immer ein bisschen komisch angeschaut, wenn ich so mit meinem großen Rucksack herumlaufe. Ich glaube, Rucksacktouristen verirren sich hier nur selten hin.

Auf der Suche nach etwas Kaffee spaziere ich noch ein wenig an der Seepromenade entlang und stelle fest: Google Maps weiß doch nicht alles! Tatsächlich sind alle Cafés (auch die, die angeblich noch geöffnet haben) schon im Winterschlaf … eine einzige Bude auf der Promenade hat noch geöffnet und hier hole ich mir einen Becher Glühwein und einmal Langos 😉 Ist kein Kaffee, aber wärmt auch 😃 und kostet etwa ein Drittel von dem, was wir in Budapest bezahlt hätten …

Mittlerweile bestelle ich hier auch fröhlich auf Deutsch und habe das Gefühl, dass das deutlich besser ankommt als Englisch… (gut Ungarisch wäre noch besser, aber das klappt einfach noch nicht 😉). Eigentlich finde ich es ja höflicher, sich im Ausland auf Englisch zu verständigen, da trifft man sich sprachlich einfach in der Mitte (zumindest in Ländern, in denen Englisch nicht die Muttersprache ist), aber hier am Balaton guckt man mich bei Englisch immer so hilflos an und ich habe das Gefühl, im Sommer sind hier eh nur Deutsche (und Ungarn), und das schon seit Jahrzehnten und die meisten sprechen die Sprache ganz gut. Aber komisch fühlt es sich trotzdem an und ich versuche wenigstens immer noch ein „Köszönöm“ einzubauen, das heißt Danke auf Ungarisch – weiter bin ich noch nicht 😉

Uferpromenda, sehr schön und sehr verlassen 😉
Aber der Sonnenuntergang ist schön!

Bevor es am nächsten Tag schon weiter nach Zagreb geht, besichtige ich noch das Schloss von Keszthely. So ganz sicher, ob das denn geöffnet hat, bin ich nicht, habe aber Glück – waren die 30 Gehminuten doch nicht umsonst 😊 So richtig kommunikativ ist man hier nicht. Ich kaufe ein Ticket und bekomme auch gesagt, das es um 11 Uhr los geht, aber viel mehr Infos kriege ich nicht raus. Was mich leicht irritiert: es ist keine Gruppenführung, aber wir müssen in einer Gruppe durchs Schloss gehen. Eine halbe Stunde später bin ich schlauer … tatsächlich ist es eine Gruppenführung, aber halt auf Ungarisch 😃 ich verstehe wirklich 0,0 Prozent und die Dame, die wirklich unfassbar viel zu erzählen hat, kann auf Englisch leider nur „Stop“ sagen und „Wait“. Grundsätzlich finde ich es völlig in Ordnung, hier in der Nebensaison nur eine ungarische Führung anzubieten, aber man könnte es vielleicht vorher sagen oder mich zumindest alleine durchlaufen lassen? Ich glaube, ich war noch nie auf einer so langen Tour durch die paar Räume 😃 die gute Frau hat aber auch viel zu erzählen 😉 In jedem Raum gibt es auch eine Infotafel auf Englisch, aber die ist so kurz… was hier wohl noch alles passiert ist? Aber dann kommt der Moment, wo sich die Tour trotz allem lohnt: wir sind in der Bibliothek angekommen. Ich weiß, ich mag Bücher und Bibliotheken finde ich immer schön – aber diese hier … ein Ort zum Staunen. Ich glaube, ich habe noch nie eine so prachtvolle und märchenhafte Bibliothek gesehen und bin ziemlich hin und weg! Die Buchtitel kann ich übrigens wieder gut lesen, die sind mindestens zur Hälfte auf Deutsch, Englisch oder Französisch 😃

Ja also irgendwie gibt das Foto nicht ganz so viel her, aber egal … ich finde, in dieser Bibliothek müsste mal ein Film gedreht werden, ein absolutes Träumchen! 😊
Das Schloß von außen. Auch schön …

Auf dem Weg zum Bahnhof komme ich dann übrigens auch noch am echten Stadtkern vorbei und hier haben auch jetzt noch jede Menge Cafés geöffnet … na, das hab ich gestern Abend wohl verpasst… aber auch nicht schlimm, der Sonnenuntergang am Wasser war auch richtig toll.

Der Weg nach Zagreb ist gar nicht so einfach, wie ursprünglich angenommen. Laut vorheriger Internetrecherche gibt es mehrere Züge am Tag, die von Budapest nach Zagreb fahren – woher auch immer diese Zugfahr-Infoseiten ihre Infos herhaben 😉 denn stimmen tun sie leider nicht mehr (dazu im kommenden Beitrag noch ein klein wenig mehr …) Tatsächlich gibt es noch eine Zugverbindung am Tag, die kommt aber erst so spät abends in Zagreb an, das ich mich dagegen entschieden habe und so tatsächlich zum ersten Mal in Europa Fernbus fahre … Dieser ist zwar auch in Budapest gestartet, hält aber einmal am Balaton und fährt dann innerhalb von drei Stunden nach Zagreb.

Relativ nervös, das gebe ich zu, stehe ich eine Viertelstunde vor Abfahrt am Busbahnhof. Beim Zugfahren bin ich ja Profi, aber Busfahren … Mmh … dazu kommt, das mein Bus weder am Busbahnhof, aber halt auch nicht auf der Anzeigetafel steht 😉 irgendwann entdecke ich in der App dann, das man den Standort des Busses auch verfolgen kann, gesagt getan, ok, er ist einfach noch unterwegs … Eine Minute nach Fahrplan kurvt ein großer grüner Bus (genau, der Flixbus) um die Ecke, hält und ich kann einsteigen. Es ist halb fünf, draußen dunkel und drinnen auch – wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, es muss mitten in der Nacht sein, die meisten scheinen zu schlafen … Ich habe extra noch etwas in eine Sitzplatzreservierung „investiert“, aber auch nur, um zwei ältere Damen auf meinen Plätzen (ich hatte einen Doppelsitz gebucht) vorzufinden – die eine murmelt eine Entschuldigung, das ist aber auch alles, was ich kriege 😃 die Plätze sind weg … aber Einzelsitze sind noch frei, ich kann mich also setzen und weiter geht die Fahrt – Ich war tatsächlich die Einzige, die hier eingestiegen ist. Drei Stunden später kommen wir überpünktlich in Zagreb am Busbahnhof an – bis auf die verlorene Sitzplatzreservierung war die Fahrt super!

Zagreb scheint eine Stadt zu sein, die irgendwie keinerlei Begeisterungsstürme bei Touristen auslöst … das ist zumindest mein Eindruck vorab. Jeder, dem ich erzählt hatte, das ich nach Zagreb fahre, hatte eher abgewunken oder abgeraten … und deshalb muss ich jetzt mal eine Lanze für Zagreb brechen! Ich fand Zagreb schön! Also zumindest nicht hässlich 😉 es gibt wirklich schöne Fleckchen und wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich wohl noch eine Nacht länger geblieben. Denn so ist mein Zug tatsächlich schon für den Nachmittag am Folgetag gebucht, ich habe also vier Stunden für ein schnelles Sightseeing.

Zugegebenermaßen, der Weg von meiner Wohnung gleich um die Ecke vom Busbahnhof zum „richtigen“ Bahnhof – und das sind so etwa 30 Minuten zu Fuß – ist wirklich hässlich (das kann man nicht schön reden) und auch direkt um den Hauptbahnhof herum ist es nicht so einladend. Aber die Oberstadt ist total nett, es gibt jede Menge Cafés und Restaurants und echt hübsche Häuserzeilen.

Ein schöner Platz mit einem Namen, den ich leider vergessen habe … Sorry!
St. Markuskirche – allerdings alles großflächig abgesperrt und eingezäunt
Eine der oder sogar die kürzeste Standseilbahn … Blick von der Oberstadt

In Zagreb gibt es auch wirklich irre Museen, meine zwei Favoriten: das „Museum der zerbrochenen Beziehungen“ und das „Hangover Museum“ (also das Kater-Museum und damit ist keine Katze gemeint 😉). In keiner Stadt habe ich bisher von solchen Museen gehört 😆 Als ich kurz vor dem Blick mit der Standseilbahn zufällig am „Museum der zerbrochenen Beziehungen“ vorbeikomme, beschließe ich, es mir einfach mal anzuschauen. Und ich glaube, das ist das erste Museum, bei dem ich wirklich jedes Ausstellungsstück angeschaut und jeden Text dazu gelesen habe. Alles toll aufgebaut und sehr kurzweilig gestaltet. Klar, das hier sind keine kulturell hoch-wertvollen Exponate, sondern echte Erinnerungsstücke. Keine Fotos oder so, sondern in der Regel Alltagsgegenstände, die für die und den Betroffenen Erinnerungen einer zerbrochenen Beziehung darstellen. Das ist manchmal zum Beispiel ein ehemals erhaltenes Geschenk, einmal Miniaturholzmöbel für das angedachte zukünftige gemeinsame Haus oder auch nur eine Nudelpackung 🙂 Ein Hochzeitskleid ist auch dabei. Die Gegenstände sind alle echt und von Menschen aus aller Welt, im Wesentlichen Europa, eingeschickt worden – immer mit ein paar erklärenden Worten dabei. Diese ganz kurzen Geschichten sind zum Teil wirklich schön, ergreifend, manchmal sehr traurig und manchmal auch einfach recht böse 😉 Eine wirkliche Empfehlung für alle, die mal in Zagreb sind!

Das Kater-Museum schaffe ich leider nicht mehr 😉 so im Nachhinein wäre das vermutlich sehr witzig gewesen…

Also, Zagreb ist besser als sein Ruf würde ich sagen, aber das hilft alles nichts, mein Zug fährt wohl pünktlich ab, ob nun mit mir oder ohne mich, das ist dem Zug und ganz Kroatien vermutlich egal – aber mir persönlich wäre es schon lieber, wenn ich mitfahren könnte 🙂 also auf zum Bahnhof, auf nach Split!

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