Bis bald, Schweden!

Ganz langsam, aber unaufhörlich, bewegen Emma und ich uns immer weiter gen Norden und das heißt, bald müssen wir Schweden (fürs Erste) verlassen und uns entweder direkt nach Norwegen oder nach Finnland orientieren (ich debattiere noch).

Auch wenn ich mich auf den Hohen Norden total freue, habe ich mich in Schweden pudelwohl gefühlt. Kleine rote Holzhäuschen und tiefe Wälder sind irgendwie genau mein Ding 🙂

Bevor wir das Land aber verlassen, steht noch ein kleines Highlight an, ich möchte mir eine „Kyrkstad“, ein Kirchdorf aus dem 17. Jahrhundert anschauen und, wenn möglich, sogar darin übernachten. Also auf nach Lövanger, wo das noch möglich ist – auf Airbnb hatte ich das Kleinod mal gefunden und dadurch überhaupt erst von den Kirchdörfern erfahren.

Die Kyrkstad in Lövanger, wirklich ein Hingucker, kleine aneinander gereihte rote Schwedenhäuschen

Kirchdörfer wurden ursprünglich gebaut, damit die weit verstreute Landbevölkerung regelmäßig an Gottesdiensten teilnehmen konnte (wobei das kein freiwilliges „konnte“ war, sondern ein ziemlich Verpflichtendes). Da die Reise mit dem Pferd einfach viel zu weit und beschwerlich war, um am selben Tag morgens zur Kirche hin und abends wieder nach dem Gottesdienst nach Hause zurück zu fahren, wurde um die Kirche herum ein Dorf aus winzigen Häuschen errichtet. Dabei konnte sich der etwas reichere Bauer natürlich ein etwas größeres winziges Häuschen leisten, für die Dienstmagd gab es aber wirklich nur ein Kämmerchen, ausgestattet mit dem Allernotwendigsten, das waren damals wohl Betten, Tisch und Stühle – und ganz wichtig: ein großer Ofen! Später bekamen die Häuschen irgendwann ihre schöne typische Schwedenrotfarbe und so sehen sie auch heute noch aus …

71 solcher Kyrkstads gab es mal in Schweden, heute gibt es nur noch 16. Eins davon steht in Lövanger, das größte in Lulea (da geht meine Reise einen Tag später hin).

Der Preis für eine Übernachtung auf Airbnb ist zwar gut, aber ich denke, ich könnte dem noch eins drauf setzen und direkt beim zugehörigen Hotel buchen, so spare ich mir die 10% Provision von Airbnb. Ich bin ja clever, denke ich … was für ein dummer Plan 😉

Was geklappt hat: Ich zahle ganze vier Euro weniger – aber dafür habe ich irgendwie die kleinste Hütte am Platz bekommen und muss am Ende selber putzen 😉 – was grundsätzlich kein Problem ist, nur wenn man für vier Euro mehr eine kleine Küche und die Endreinigung bekommen hätte, fragt man sich schon, was eigentlich schief gegangen ist … Irgendwie haben die Rezeptionistin und ich da ganz leicht aneinander vorbei geredet 😉

Aber egal, meine winzige Hütte ist eigentlich ganz süß und hat auch ein eigenes Badezimmer – zumindest da haben wir uns gut verständigt 🙂 Nur besonders viel Mobiliar gibt’s nicht, ein Bett und einen Hocker … ich habe später in echt viele andere kleine Hütten hinein gespäht und überall gab es auch einen Tisch und einen Stuhl. Meine Hütte ist also etwas ganz Besonderes, sie hat keins von beiden 😉

Blick in „meine Hütte“ – es hat nur für das Dienstmägdezimmer gereicht 😉 Bett habe ich schon bezogen, gemütlich sieht das alles aus!

Ich bin auch etwas verwundert gewesen, dass anscheinend alle anderen Hütten schon belegt waren, zumindest hat das an der Rezeption ziemlich gedauert, bis sie eine verfügbare Hütte gefunden hatte. Kurz befürchte ich einen ziemlichen Rummel am Abend, wenn alle ihre Hütten bezogen haben und den Abend gemütlich davor ausklingen lassen wollen … aber: in meiner „Straße“ bin ich die Einzige, die hier heute Nacht übernachtet, wie ich später sehe. Etwas kurios, muss ich sagen, will mich aber nicht beschweren über die herrliche Ruhe…

Nach einer sehr kurzen Wanderung durch ein angrenzendes Naturschutzgebiet, das bestimmt richtig schön wäre, wenn es nicht von tausenden von Mücken bevölkert wäre – die sich gefühlt alle auf mich stürzen – bummle ich, nun um circa 20 Mückenstiche reicher (in 30 Minuten!) gemütlich durch das Kirchdorf, das ganz ruhig und still da liegt.

Später sitze ich dann ganz entspannt auf meinem Campingstuhl (gut, wenn man eigenes Equipment dabeihat) vor meinem Häuschen, die Abendsonne strahlt die gegenüberliegende Häuserzeile an und ich find’s einfach nur richtig herrlich. So viel Geschichte hier, alles so liebevoll erhalten und ich heute Nacht hier mittendrin.

Ich bewohne Nr. 71 und habe quasi einen kleinen Balkon bekommen 🙂
Es wird Abend und es herrscht absolute Ruhe hier … es ist ein unbeschreibliches Gefühl, hier gemütlich zu sitzen und auf die gegenüberliegende Häuserzeile zu gucken…

Morgens bekomme ich dann übrigens eine Ahnung, warum meine Straße gestern so leer war: ab um acht Uhr wird schon fleißig gehämmert und ein Blick aus der Türe zeigt: hier werden grade jede Mengen kleine Bretterbuden aufgebaut für irgendeinen Verkauf morgen. Deshalb konnte ich also nicht zwei Nächte buchen …

Später, quasi ein Kirchdorf weiter in Lulea, nehme ich dann an einer Führung teil, um noch ein bisschen mehr über die Kirchdörfer zu erfahren. Anders als in Lövanger sind hier alle Kirchhäuser in Privatbesitz und dürfen auch nur privat und für kurze Aufenthalte genutzt werden. Touristische Vermietungen sind tabu, dafür hat das hier UNESCO Welterbestätte-Status.

Auch sehr schön und mit großem Kirchturm im Hintergrund in der „Gammelstad Lulea“.

Und von Lulea aus geht es dann wirklich „raus aus Schweden“. Weil es mich schon irgendwie gereizt hatte, mit Emma auch durch Finnland zu fahren (da waren wir schließlich noch nie), habe ich irgendwann einfach mal eine Stadt in Finnland als nächstes Ziel erklärt, im Reiseführer nachgeschlagen und festgestellt, dass hier der offizielle Sitz des Weihnachtsmannes ist … 🙂 Na dann, damit war die Sache klar, am Weihnachtsmannsitz führt natürlich kein Weg mehr vorbei 😉

Also auf nach Rovaniemi, der Hauptstadt Finnisch-Lapplands (und der Stadt des Weihnachtsmannes…).

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