Einen richtig schönen Tag hab‘ ich in Bordeaux verbracht und mich die ganze Zeit ein bisschen nervös gefragt, ob Emma auch wirklich noch an Ort und Stelle auf dem riesigen Flughafenparkplatz auf mich wartet …
Aber von vorn: Von Bordeaux hatte ich bisher nur Gutes gehört und bin nicht enttäuscht worden … zum Glück 😊 Spontan habe ich morgens noch eine Stadtführung gebucht und mich dann ein bisschen gewundert, das am Treffpunkt niemand sonst war, kein weiterer Touri und erst recht kein Stadtführer mit einem orangenen Schirm… Das war mir bisher bei den Free-City-Tours (Stadtführungen ohne Festpreis, nur auf Trinkgeldbasis) noch nie passiert, schon komisch! 200 Meter weiter direkt vor der schönen Kathedrale von Bordeaux habe ich allerdings schon einen anderen Schirm entdeckt (diesmal violett) und bin dann zwei Minuten vor Start meiner eigentlich gebuchten Tour hinübergelaufen. Und siehe da, der Stadtführer dort unter dem violetten Schirm löst das Rätsel für mich auf: mein Guide ist grade in Mexiko (schön für ihn 😉) und schickt aktuell seine Gäste immer mit zu dieser Stadtführung – weil ich aber so spontan gebucht hatte und in Mexiko zu der Zeit noch tief und fest geschlafen wird, habe ich diesen schönen Prozess wohl etwas durcheinander gebracht 😉
Zweieinhalb Stunden laufen wir gemeinsam durch Bordeaux und bestaunen die tollen historischen Gebäude. Ich habe anscheinend auch einen kleinen Architekturkurs gebucht 😉, denn unser Guide lässt uns immer aus ein paar Auswahlmöglichkeiten den korrekten Baustil der Sehenswürdigkeit bestimmen… zwischendurch sieht es sogar mal so aus, als ob die Schwarmintelligenz von ansonsten sehr architektonisch unbegabten Menschen ausreicht, aber am Ende wird doch klar, wir haben keinen Schimmer 😉 Ein wenig lässt unser Guide den Kopf hängen, hat er sich doch so viel Mühe gegeben … da hilft dann das Trinkgeld wieder 😊


Bordeaux sieht ja schon sehr toll aus und wurde wohl mit viel Verstand und sehr viel Geld 😉 Anfang der 2000er renoviert und hat seit 2007 den Status als UNESCO Weltkulturerbe. Biegt man aber hin und wieder in ein paar eher untouristische Gassen ab, wird klar, für jedes Haus hat’s nicht gereicht … ein paar Straßen sehen ganz schön heruntergekommen aus und manche Häuser sind wohl auch nicht mehr so stabil … Unser Guide meint, falls jemand von uns in einem Airbnb untergekommen wäre, welches eher diese Art von Charme ausstrahlen würde, wünsche er uns „Good Luck“, also viel Glück 😊 (Vor ein paar Jahren sei mal ein Haus, nur wenige Stunden nach Evakuierung zusammengebrochen…)


Nachdem ich allein auch noch ein bisschen durch die Gegend gebummelt bin und sehr lecker vietnamesisch essen war, gehts dann zum Flughafen, Emma abholen. Autoschlüssel und Parkticket waren wohl in diesem Monat in der Heimat die mit Argusaugen am besten bewachten Sachen 😉 und Tada … immer noch da 😊
Und Emma zum Glück auch! Unbeschadet, leider nicht so sauber gewaschen durch einige Regenfälle in der Zeit, wie erhofft, aber gut 😉Auch tatsächlich alle Fenster geschlossen … und zu meiner Freude nichts Verderbliches innen drin vergessen 😊Perfekte Planung halt 😉
Mein Bruder hatte mich schon vorbereitet, das aufgrund des Regens vielleicht die Handbremse leicht aufmucken könnte, davon solle ich mich mal nicht irritieren lassen … der geht’s dann aber ziemlich gut. Nicht ganz so geschmeidig läuft dagegen die richtige Bremse, die eher Geräusche von sich gibt, als wäre sie zur Dampflok mutiert… Da funktionsmäßig aber noch alles passt und für die Fahrt zum Mini-Campingplatz eh ausschließlich Stau angezeigt wird, sind wir mal vorsichtig losgerollt – und nach einer Verschnaufpause über Nacht auf einem kleinen idyllischen Wiesenplatz ist am nächsten Morgen alles wieder beim Alten. Dampflok-Geräusche allesamt verschwunden und es kann richtig los gehen 😊 Glück gehabt!!
Weil eine ehemalige Arbeitskollegin und Freundin so von den Campingplätzen unter Pinien und Stränden an der Atlantikküste im Department Landes geschwärmt hat, düsen Emma und ich als allererstes gen Westen an genau so ein schönes Plätzchen, anstatt direkt in den Norden zu fahren. Zum Glück! Auf einem noch richtig leeren, aber wunderschönen Campingplatz starten Emma und ich wieder ins Campingleben. Dieser Blick gen Himmel zu den Wipfeln der Pinien – herrlich. Bis die erste riesige Pinienzapfe nach unten fällt und recht donnernd aufschlägt. Puh … wenn es demnächst über meinem Kopf raschelt, werde ich wohl mal prüfend nach oben schauen und bei Bedarf flüchten 😉.

Aus zwei geplanten Tagen werden drei … wunderbar faul und wirklich ohne jedes „Programm“. Ein bisschen Emma aufräumen (und einen halben Tag später die vorher dagewesene Unordnung wieder herstellen) und nachmittags an den Strand bummeln (zehn Gehminuten bei sehr langsamem Tempo), mehr mache ich drei liebe schöne Tage lang nicht. Und es ist herrlich!!! Ursprünglich will ich am zweiten Tag weiter, habe schon alles ein- und aufgeräumt, sitze schon im Auto, das Navi ist startklar und dann sehe ich den Nachbarn (also vier Stellplätze weiter, voller ist es noch nicht), der ganz gemütlich in seinem Campingstuhl im Schatten der Pinien ein Buch liest und frage mich … warum wollte ich heute nochmal weiter? Also den eigenen Campingstuhl wieder rausgeholt, das Tischchen daneben gestellt, nochmal schnell zur Rezeption und eine Nacht verlängert und zehn Minuten später sitze ich genauso entspannt in meinem Campingstuhl mit einem Buch in der Hand und gratuliere mir zu dieser Entscheidung 😉

Tags drauf geht’s dann aber wirklich los … geholfen hat definitiv, dass quasi über Nacht die Vorsaison die absolute Nebensaison abgelöst hat und die Preise mal eben um fröhliche zwanzig Prozent gestiegen sind. Außerdem habe ich ein tolles Ziel: das beschauliche Dörfchen Saint-Émilion, das (wenn man den Reiseführern glauben darf) allerschönste unter den Weindörfern östlich von Bordeaux. Vorher geht’s noch kurz auf die größte Sanddüne Frankreichs, die Dune du Pilat, die mich aber ehrlicherweise nicht ganz so umhaut … das schaffen eher der dazugehörige Parkplatzpreis und die Menge an Touristen 😉 aber gut, das hätte ich vorher wissen können. Es fällt mir geradezu leicht, dort auf eine Portion Eis zu verzichten – Einstiegspreis: 6,70 Euro… (Und schon ist die deutsche Kugel Eis für knapp zwei Euro ein richtiges Schnäppchen).


Von Saint-Émilion hatten die Reiseführer geschwärmt und ich muss ihnen ausnahmslos zustimmen 😊 Es ist wirklich schön hier, sehr touristisch zwar, aber irgendwie wirklich richtig schön und pittoresk. Noch ist hier keine richtige Saison, noch kann man also in einer kleinen Nebengasse den fröhlich schnatternden Touristenströmen entwischen und allein schöne Häuserfassaden mit blühenden Blumen und tolle Aussichten genießen. In Saint-Émilion deckt man sich im Wesentlichen mit unzähligen Flaschen Wein ein, ein Laden mit üppig bestückten Weinregalen reiht sich hier an den nächsten. Momentan kann ich da aber auch gut dran vorbeigehen, mein Budget ist mittlerweile recht inflexibel 😊 und würde da doch schnell gesprengt werden – und so dringend muss ich tagsüber auch noch keinen Wein verkosten… 😉




Am liebsten würde ich auf einem der Weingüter übernachten, die für Camper ein paar Stellplätze zu wirklich sehr günstigen Preisen anbieten, aber als ich auf dem Weingut meiner Wahl ankomme, ist alles komplett verwaist und niemand zu sehen, nur eine Telefonnummer. Jetzt wäre es klasse, wenn meine Französischkenntnisse schon etwas weiter fortgeschritten wären… beim Telefonieren kann man sich so schlecht mit „Händen und Füssen“ verständigen … Ich entscheide mich gegen das Warten und doch wieder für den Campingplatz und habe Glück, mitten in den Weinbergen (wobei, so bergig ist das hier gar nicht) liegt ein richtig schönes Plätzchen mit großzügigen Stellplätzen und noch ein bisschen mehr Komfort als auf „meinem Weingut“. Sogar einen kleinen See gibt es mit Tretbooten zur freien Verfügung. Ich mache lieber einen ausgedehnten Abendspaziergang und genieße die Wein“berge“ um mich herum – und da ich mich ja während meiner Schottlandreise so häufig über das Wetter hier auf dem Blog beschwert habe, muss ich jetzt ja auch mal erwähnen, dass es aktuell wirklich traumhaft ist. Es ist nicht nur schön, es ist sogar angenehm schön, also meist irgendwo zwischen sonnigen 20 und 23 Grad … quasi mein Traumwetter inkl. Wohlfühltemperatur.


Von Saint-Émilion geht’s nun aber mal wirklich weiter gen Norden. Ein paar Örtchen hab‘ ich mir noch an der Atlantikküste zum Anschauen rausgepickt, aber dann solls schnurgerade über Nantes in die Bretagne gehen.
Ich mache einen Stopp auf einem der vielen Halbinseln hier und spaziere endlos weit über Wiesen und Felder zum Strand, bin aber auch gar nicht so böse, wieder zu fahren, weil hier nun das lange Himmelfahrtswochenende startet und es die Franzosen gefühlt alle auf die insgesamt drei Inselchen zieht 😉 Ich fahre an langen Staus vorbei, bin aber zum Glück in der nicht so stark frequentierten Richtung unterwegs …
Das kleine Städtchen La Rochelle haben mir meine Großeltern sehr ans Herz gelegt und sie haben Recht… ich bummle sehr gemütlich durch unzählige Sträßchen dieser tollen kleinen Stadt am Meer mit ihren drei berühmten Türmen und weil mich der Wettergott ja mittlerweile mag, schickt er mir heute ein paar Wölkchen und ein bisschen Wind, damit sich mein Sonnenbrand von gestern etwas erholen kann 😊


Abends komme ich auf einem der schönsten Campingplätze an, auf denen ich bisher war: eher klein und überraschend wenig besucht (obwohl doch noch das lange Wochenende ist), dafür aber mit extrem großzügigen Stellplätzen auf einer riesigen Wiese. Dazu ein sehr nettes britisches Paar, das diesen Platz betreibt und mit dem ich mich ganz ohne schlechtes Gewissen, das mein Französisch immer noch recht miserabel ist, auf Englisch unterhalten kann 😊
Neben einem ganz faulen Tag auf dem Campingplatz, in dem ich endlich mal ein Buch aus Schottland zu Ende gelesen habe (das weniger entspannte Lektüre war als gedacht – anstatt fröhlich den Erzählungen von zwei Frauen zu lauschen, die sich vor Jahren einen kleinen Hof im tiefsten Schottland gekauft haben, ging es eher um Informationsweitergabe zu ökologischer und eher „wilder“ Landwirtschaft – da hab ich damals vor zwei Jahren beim Kauf in einem süßen kleinen Buchladen in England nicht so aufgepasst), nehme ich auch noch DIE Sehenswürdigkeit der Umgebung mit und fahre auf einer nur bei Ebbe befahrbaren Straße vom Festland auf ein kleines Inselchen. Ganz schön eng hier und ganz schön viel befahren – allerdings auch weil Jogger und viele Fahrradfahrer mit auf der kleinen Straße unterwegs sind. Dürfen sie auch gerne, wobei ich mir entspanntere Familienausflüge mit kleinen Kindern auf Fahrrädern vorstellen kann, als hier neben den Autos vorbeizunavigieren … Was mich besonders überrascht: das ist nicht nur so ein Touri-Dings, sondern auch viele Einheimische sind hier, parken auf dem Watt (das hab‘ ich mir mit Emma nicht getraut) und ziehen mit Eimerchen und kleiner Harke los, um im Watt nach Schalentieren und Fischen, die sich nicht rechtzeitig mit dem großen Wasser haben davontreiben lassen und in kleinen Wasserpfützchen liegen geblieben sind, zu suchen und zu buddeln. Dafür gibt’s sogar einen Begriff: „Pêche à pied“ = Gezeitenfischerei. Steht in meinem Reiseführer als „Sehenswürdigkeit“ und habe ich damit auch mal gesehen.

Zum Abschluss meiner Atlantikküsten-Tour auf dem Weg in die Bretagne (dort werde ich natürlich weiterhin viel Wasser zu sehen bekommen 😉) mache ich noch einen Ausflug nach Pornic, einem kleinen idyllischen Hafendörfchen. Hier bummelt man am Hafen entlang (Check! – Wobei das Wasser mal wieder fehlt … Ebbe …), guckt sich das „Chateau“ (also Schloss) von Pornic an (halber Check, hab‘s nur von außen angeguckt) und isst eine Kugel Eis bei „La Fraiseraie“ (Check! für – Achtung – 3,70 € pro Kugel!!!) Das wars dann auch eigentlich schon 😉 Mit Wasser hätte das ganze vielleicht noch traumhafter ausgesehen, aber ohne wars auch schön 😊 Sowieso, diese Erfindung namens Ebbe … als Kind der Ostsee leuchtet mir das leider zum einen nicht so richtig ein, dass das eben dazugehört und zum anderen vergesse ich es einfach auch jedes Mal und bin jeden Tag aufs neue überrascht, wenn ich irgendwohin fahre und kein Meer da ist, dafür jede Menge Schlick und Schlamm … und obwohl sich die Zeiten der Ebbe hier tagtäglich verschieben, schaffe ich es gefühlt immer wieder, zu exakt dem Zeitpunkt des niedrigsten Wasserstandes anzukommen und gucke dann ein wenig verdutzt aus der Wäsche 😉Mal gucken, vielleicht lern‘ ich es ja noch 😊


