Von Nantes zur „Schönen Insel im Meer“

Also irgendwie hat das mit dem Bloggen in Frankreich eher schlecht funktioniert … sorry!! Zum ersten Mal auf meinen Reisen hatte ich tatsächlich ein echtes Strom-Problem, heißt, dass durch die kürzeren Distanzen in der Bretagne die Autobatterie die Zweitbatterie nicht allzu gut laden konnte, sodass immer nur geradeso genug für Handy und Kühlschrank da war und mein Laptop gerade zum ersten Mal nach einer sehr langen Fahrt wieder ein bisschen was vom Strom abbekommt. Und ohne Laptop macht Bloggen gar keinen Spaß… Und mit dem Internet war es auch nicht so dolle … fast nie WLAN am Campingplatz und die mobilen Daten waren dann auch schnell am Limit. Nun ja, so habe ich die Abende bei traumhaftem Wetter häufig für traumhafte Abendwanderungen genutzt – was dann ja schon eigentlich der dritte Grund war 😊 In Schottland gab es so viele Regenstunden, da schrieb sich der Blog fast von alleine und in der Bretagne – ich traue es mir fast nicht zu sagen – kamen auf vier Wochen circa zwei Regentage … und nein, das ist keine Beschwerde!!! Nur die Erklärung für eine sehr ruhige Zeit hier auf dem Blog 😉

Mal schauen, ob ich es schaffe und nun noch ein bisschen von meinen Erlebnissen erzählen kann … fangen wir mal mit Nantes an, dem letzten Stopp bevor es dann in die Bretagne ging… Zwar war Nantes früher sogar die Hauptstadt der Bretagne, wurde aber 1941 dem Department Loire-Atlantique zugeschlagen. Also bin ich ab Nantes quasi schon halb an meinem Ziel angekommen 🙂

Städte mag ich ja meist nur so für einen kürzeren Moment, dann werden mir Menschen, Stein und Hektik zu viel und ich möchte wieder ins Grüne „fliehen“. Weil Nantes aber auf dem Weg liegt, mache ich kurz Halt, parke etwas außerhalb und fahre mit der Straßenbahn in die Innenstadt … und was soll ich sagen, ich hab mich ein kleines bisschen in diese wunderschöne Stadt verliebt. Meistens freue ich mich total auf die vorher schon vielgepriesenen und hochgelobten Städte, die ich bei meinen Reisen schon besucht habe und bin dann nach zwei, drei Stunden doch irgendwie „durch“. Vielleicht sind die Erwartungen ein bisschen zu hoch oder sich die Städte manchmal auch etwas ähnlich. Wie dem auch sei, von Nantes erwarte ich bis auf ein paar schöne alte Häuser gar nicht so viel und bin dann vielleicht gerade deshalb auch nach sieben Stunden durch die Stadt schlendern, eher traurig, dass ich „schon“ wieder zu Emma und weiter „muss“.

Weil ich mir auf meinem Campingplatz viel Zeit gelassen hab mit dem Zusammenpacken, starte ich erst mittags mit einem sehr köstlichen vietnamesischen Essen im Restaurantviertel. Zum einen liebe ich die vietnamesische Küche und zum anderen ist das Preis-Leistungsverhältnis einfach hervorragend 😉 – eine Suppe mit Hühnchen und Nudeln und Gemüse für 12 Euro und ich bin den restlichen Tag glücklich satt und zufrieden 😊. Im Internet habe ich einen Blog gefunden mit ein paar Tipps für Nantes und folge dann der dort vorgeschlagenen Stadtspaziergangsroute, die mich peu-à-peu durch die verschiedenen Viertel führt. Mittlerweile habe ich anderer Leute Reiseblogs nämlich als beste Planungsgrundlage für meine Reisen und Städtetrips auserkoren. Anders als in den dicken Reiseführern in Buchform, die ein ganzes Land mal eben zwischen zwei Buchdeckel pressen müssen, bekomme ich hier meist ein paar mehr Details und manchmal sogar noch echte Insidertipps, als eben in besagte Buchseiten passen würden.

Ein bisschen schade ist, dass das (angebliche) Wahrzeichen der Stadt, ein riesiger mechanischer Elefant (ja, richtig gelesen 😉) die Attraktion ist, die am Montag geschlossen hat (und ich nun mal an einem Montag in Nantes bin). Nun ja, ein Grund nochmal wiederzukommen. Ich glaube, am meisten mag ich an Nantes, dass es eine ganz normale und schöne Stadt zum Leben ist und man nicht an jeder Ecke über Touristen stolpert (ja natürlich, ein klarer Fall von Glashaus und Steinen, ich bin ja selber eine Touristin😉). Außerdem sind da natürlich noch diese wunderbaren alten Stadthäuser, die die Stadtbilder Frankreichs bestimmen. Es gibt eine imposante Kathedrale und wieder einen wunderschönen Stadtpark, in dem sich nachmittags gefühlt halb Nantes zum Feierabendtreff- und spielen (also die Kinder) zusammen findet. In Frankreich sind die Stadtparks irgendwie in vielen großen Städten so aufwendig und wunderschön gestaltet, dass ich ein bisschen neidisch bin. Und dabei ist Deutschland ja schon stolz auf seine grünen Städte, aber hier spielen die Parks irgendwie in einer anderen Liga… (sorry 😊) Außerdem gibt es unzählige kleine Lädchen mit ganz vielen unzähligen hübschen und schönen Dingen, sodass ich ganz schön stark sein muss, (fast) überall wieder mit leeren Händen rauszugehen (das Budget … seufz… 😉)

Wieder ein traumhaft schönes Stadtzentrum
… und eine wunderbare und schöne Kathedrale
Sogar ein Schlösschen gibt es hier … und:
… ein richtig schickes Einkaufszentrum
Mit einer bunten Mischung aus tollen Läden für Jedermann und ein paar recht hochwertigen Geschäften nur so zum Gucken (selbst für Menschen mit mehr Budget als ich 😉 )

Und mein absolutes Highlight in der Passage Pommeraye (mit einem Augenzwinkern): der „Wizard Shop“ – also der Laden für Zauberei … im Schaufenster dann auch noch ein „Nimbus 2000“ … (jep sorry Nerd-Wissen: ein ganz toller Hexenbesen 😉 ) Genau an dem Tag hatte der Laden aber geschlossen und so stand ich also ein Weilchen ein kleines bisschen sehnsüchtig davor und war aber auch ganz froh, nicht erst in Versuchung geführt zu werden …

Der Nimbus 2000 … Hach … 😉

Der vermutlich andere Grund, warum mir Nantes so gut gefällt, ist wohl das allerbeste und köstlichste Schwarze-Johannisbeeren-Eis meines Lebens 😊 (Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen 😉). Ich entdecke in Nantes nämlich die Eisdiele aus Podric (dem kleinen Hafenstädtchen ohne Wasser) wieder. Dort war ich ja noch mehr vom Preis, als vom Eis beeindruckt, kann aber hier in Nantes trotzdem nicht dran vorbeigehen. 3,70 Euro später bin ich sehr glücklich mit meiner Entscheidung, denn das Schwarze-Johannisbeeren-Eis schmeckt genau wie pure schwarze Johannisbeeren, nur in kalt und Sorbet-cremig. Nicht zu süß, sondern geschmacklich eben genau wie frisch vom Strauch 😊. Und wer wie ich für eine Schale Johannisbeeren fast alles tun würde 😉, nun ja, der kann jetzt vielleicht nachvollziehen, dass ich tatsächlich noch in der zweiten Filiale der Stadt eine weitere Kugel kaufe😊, vordergründig aber nur, weil ich noch Kleingeld (das Wechselgeld) für das Straßenbahnticket brauche!!! (Natürlich 😉)

Dieser wunderschöne Stadtpark lud geradezu zum Entspannen ein … wirklich traumhaft schön da!!
Mit Gewächshäusern
Und unzähligen Bänken – und alle auch gut besetzt

Nach einer ruhigen Nacht auf einem privaten Grundstück (also schon mit Bezahlung, aber auch noch sehr wild) düse ich endlich mit Emma über die „Grenze“ ins Department „Morbihan“ und bin damit in der Region Bretagne angekommen. Tadaaaa 😊

Die Bretagne ist für ihr wechselhaftes Wetter bekannt – im Juni 2025 kann ich das wirklich nicht bestätigen. Sommerwetter pur und das fast vier Wochen am Stück. Nur ganz zu Beginn im Süden der Bretagne regnet es ein paar Tage. Auf der Halbinsel Rhys wird das aber vom freundlichsten holländischen Camper-Ehepaar wettgemacht, das ich bisher kennengelernt hab. Meine Stellplatznachbarn reisen mit Wohnwagen und Vorzelt und bieten mir mehrmals an, meinen Campingstuhl und -tisch doch gerne mit unter ihr Vorzelt zu stellen über Nacht, damit alles trocken bleibt – wie nett! Am zweiten Tag regnet es dann auch vormittags stärker und als ich so unter meiner Kofferraumklappe sitze und frühstücke (und von weitem sieht das vermutlich deutlich beengter und unkomfortabler aus, als ich das so finde) kommen sie nochmal vorbei und bieten mir an, komplett in ihr Vorzelt zu ziehen für diesen regengrauen Tag 😊 – sie wären den ganzen Tag unterwegs und es würde sie wirklich überhaupt nicht stören, wenn ich es mir bei Ihnen unter dem Dach gemütlich mache… so großzügig und nett!! Leider kann ich das liebe Angebot nicht annehmen, weil ich nach dem Frühstück weiterreisen will, aber toll finde ich es trotzdem! Ich erinnere mich an die vielen, vielen Tage in Schottland mit ununterbrochenem und starkem Regen – damals hätte ich mich wahnsinnig über so ein großzügiges Angebot gefreut (das aber nie kam 😉).

Bald fahre ich weiter zur „Schönen Insel im Meer“ – im Original die „Belle Île en mer“.  Dabei soll es sich um ein kleines Fleckchen Erde handeln, dass die allerschönsten Stellen der Bretagne in sich auf wenigen Quadratkilometern vereint. Und da muss ich natürlich hin! Die Überfahrt mit der Fähre ist teuer und für Emma so ungeheuerlich teuer (200 Euro für zweimal eine Stunde Fahrt), dass ich alleine mit großem Rucksack übersetze und Emma auf dem Festland verbleibt. Dafür miete ich mich dann für drei Tage auf einem Campingplatz in eine kleine Holzhütte ein.  Die Insel ist klein und auch bei Wanderern sehr beliebt – in vier Tagen kann man nämlich einmal um die ganze Insel herumwandern. 80 Kilometer sind das in etwa und auch, wenn ich nicht einmal rum kommen werde, möchte ich einige Etappen auf dem Küstenwanderweg erwandern. Ein überraschend gutes Busnetz verbindet viele Etappenstartpunkte und -ziele, sodass man entspannt sein Hauptquartier auf einem Campingplatz einrichten kann.

Die Leuchttürme am Hafen von Le Palais auf der Belle Île en mer
Und das kleine und nette Städtchen dazu
Mein Hüttchen für drei Nächte, ganz nett, aber Emma ist noch netter 😉

Die ersten beiden Tage ist es wirklich recht verregnet und ich werde einmal klatschnass … habe aber auch ein bisschen Glück, dass dieser ungeheure Regenschauer genau dann kommt, als ich zumindest nahe einem Gebäude bin und, wenn auch nicht drinnen Zuflucht suchen kann, so doch zumindest ein bisschen geschützt an der Hauswand das Allerschlimmste abwarten kann. Trotzdem sind auch die wunderbaren Outdoor-Klamotten nach diesem Guss einmal komplett durchnässt. Eine Stunde später allerdings dank des richtig starken Winds auch wieder getrocknet 😊

Da war es wettertechnisch noch nett …
Hier SEHR nass …
… und später dann SEHR windig

Am letzten Inseltag habe ich aber richtig Glück und strahlend blauer Himmel und Sonnenschein machen jeden Regentropfen der letzten Tage wieder wett.

Ganz nett, oder?
Eines meiner Lieblingsbilder 🙂

Abends geht es dann zurück zum Festland und zu Emma, die geduldig auf einem großen Parkplatz gewartet hat. Auf einer übervollen Fähre (wirklich komplett ausgebucht) schippere ich im Sonnenschein so vor mich hin und freue mich: wenn die Bretagne auch nur ansatzweise so schön ist, wie die „Schöne Insel im Meer“ dann habe ich aber wirklich alles richtig gemacht, mich für meinen dritten Reisesommer für dieses schöne Fleckchen Erde zu entscheiden.

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